Orchideen in Rumänien

 

        Wenn wir von Orchideen sprechen, so denken wir häufig an beeindruckende Blumen, die wir im Blumengeschäft, im Glashaus oder in National Geographic Reportagen antreffen. Wenn jemand Frauenschuh, Stendelwurz oder Knabenkraut sagt, so könnte es sein, dass ein paar von den Geschprächspartnern wissen, dass es um Orchideen geht.

 

Wenn man aber  

Ragwurz, Rimmenzunge, Waldhyazinte sagt, und hinzufügt, dass sie Orchideen sind, so könnte man als jemand angesehen werden, der Namen erfindet, um die Audienz zu beeindrucken. Alle diese Pflanzen gibt es aber. Sie werden im Buch „Rumäniens Flora (1972, vol XII) erwähnt. Sie sind Orchideen.

 

 

Sie sind die einheimischen Orchideen Rumäniens! Sie sind die einheimischen Orchideen Europas.

 

        In fast allen Ländern sind Orchideen vom Gesetz geschützt. Bei uns haben nur der Frauenschuh und das Knabenkraut dieses Privileg. Dies verdanken sie ein paar Gesetzen aus den Jahren 1938-1939. Auf Grund der fehlenden Bildung im Bereich Umweltschutz wurden zahlreiche einheimische Orchideen zerstört. Unser Klub beginnt eine Aktion des Bewusstwerdens über die Erhaltung der natürlichen Werte, unter denen sich auch die einheimischen Orchideen befinden.

 

Ein Knabenkraut ist auf der Wiese schön, wo er wächst, nicht in einer Vase!

 

Ein paar alte und neue Wege durch die die einheimischen Orchideenpopulationen systematisch zerstört werden.

 

  1. Ein Blumenstrauss vom Picnick

        Wenn wir im Grünen sind und uns gut fühlen, machen wir auch einen Blumenstrauss. Wir pflücken, was am schönsten ist. Es ist gut möglich, das Orchideen auch dabei sind. Auf dem Markt werden hunderte von Blumensträussen mit wilden Narzissen und Knabenkraut verkauft. Bis jetzt habe ich von keiner Aktion der Behörden gehört die dieser Wilderei ein Ende setzen könnte oder wolle.

 

2. Das düngen der Wiesen mit Stallmist oder, sogar Ammoniumnitraten.

         Orchideen sind Pflanzen, die in armen Böden wachsen. Der Zusatz an natürlichem oder chemischem Dünger zerstört sie. Schlimmer ist aber, dass der Dünger die Pilze zerstört, mit welchen die Orchideen in Symbiose leben.

 

  1. Das Ausbreiten der Bauten.

         Die meisten Ferienhäuser werden in Berggebieten erbaut, wo einheimische Orchideen wachsen. Die Eigentümer kennen die Natur nicht und zerstören die einheimische durch Ebnungen, durch das pflanzen von Rasen, betonierungen, etc. Und das alles, um die Ferien so schön wie möglich zu gestalten.

 

  1. Die Ausbeutung der Wälder.

         Ganze Ökosysteme werden ohne jegliche Kontrolle, durch Abholzungen zerstört. Durch die Zerstörung des Waldes wird auch die waldeigene Pflanzenwelt zerstört. Es verschwinden nicht nur die Bäume sondern auch die Pflanzen die unter deren Blätterdach ihren Schutz finden. Selbst wenn die Orchideen die am Boden wachsen überleben könnten, haben sie gegen die schweren Maschinen die nach der Abholzung des Waldes den Boden aufwühlen, keine Chance.

        Wir hören immer öfter von Häusern, gar ganzen Dörfern, die von Erdrutschen verschluckt wurden. Ein großer Teil davon verdankt man den unkontrolierten Abholzungen. Häuser und Dörfer verschwinden. Es verschwinden aber auch die Pflanzen des Bodens der mit dem Rutsch ins Tal rollt. Ein Teil dieser Pflanzen sind einheimische Orchideen.

 

  1. Die Entwicklung der Infrastruktur

         Wir müssen die Infrastruktur entwickeln! Die Strassen und Wege breiter machen; wir müssen Autobahnen bauen, Tankstellen, Motels, Parkplätze. In vielen Fällen ist die Pflanzenwelt der bestimmten Zonen davon betroffen. Wir kennen viele Fälle in denen ganze Populationen von einheimischen Orchideen unter den Rädern der Bagger, unter dem Beton der Parkplätze und unter Tonnen von Asfalt verschwanden. Ich habe von keiner Studie gehört, die die Auswirkungen der Entwicklung der Infrastruktur auf die betroffene Pflanzenwelt analysiert. Vielleicht wurden welche gemacht. Die einheimischen Orchideen sind aber verschwunden... mit oder ohne diese Studien.

 

  1. Der Mangel and Zivilisation

         Wir bemerken täglich, dass wir and einem akutem Mangel and Zivilisation leiden. Tausende von Tonnen von Müll werden täglich wahllos weggeworfen: auf der Strasse, aus fahrenden Autos, aus LKW’s am Rande der Stadt.... Um sich von diesem Dreck loszureissen, gehen viele Menschen „ins Grüne, and die frische Luft“, ins Gebirge, auf die Wiese, in eine Lichtung. Oft sieht der besuchte Ort danach einem dreckverseuchten Loch ähnlich, vor dem man „an die frische Luft“ flüchtet.  

Um eine Orchidee zu fotografieren, muss man oft dutzende von Platikflaschen, Konservedosen und sonstige Verpackungen aus dem Weg schaffen. Und dies um ein „ehrenhaftes“ Bild zu erhalten. Selbst in einem Naturschutzgebiet wie dem Königsstein.

 

  1. Outdoor Unterhaltungstrends

         Nicht unlängst haben wir einen Ausflug auf eine Wiese in einem Tal unternommen, zwischen zwei Gebirgsketten. Der Waldweg war mit einer verschlossenen Schranke blockiert. Wir waren auf der Suche nach Orchideen. Was wir fanden war aber etwas völlig anderes: drei ATV’s pflügten heißblütig durch die Wiese. Die Wiesenstücke flogen wie Fetzen durch die Luft. Weiter vorne waren vier Jungs auf Motocross Motorrrädern gerade dabei, den Boden im Wald umzukneten, in ihren Versuchen, den Hügel zu erklimmen. Nachdem die Einen und die Anderen, von der Adrenalindosis befriedigt, den Ort verließen, sah es dort wie nach einem Bombardament aus. Die Wiese und der Wald hausen, wenn sie noch am Leben bleiben, eiheimische Orchideen.

 

 

 

© www.orchidclub.ro

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